Die Grande Dame des KI-Smalltalks ELIZA wird 60

09. Mär 2026  ─  von Jolanda Brühwiler  ─  Business Trends, Digitalisierung, Allgemeines

Mitten in den 60er Jahren, als Computer noch so gar nichts mit „Gefühlen“ am Hut hatten, erschuf der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum ein Programm, das die Welt verblüffen sollte: ELIZA.

Stell dir vor, du sitzt vor einem flackernden Bildschirm und tippst: „Ich habe eine lange Bootsfahrt gemacht.“ Und die Maschine antwortet trocken: „Erzählen Sie mir mehr über Boote.“.

ELIZA war der erste Chatbot der Welt. Sie wurde so programmiert, dass sie einen Psychotherapeuten simulierte, der im Grunde nichts über die reale Welt wusste, aber die Aussagen der Menschen geschickt spiegelte. Weizenbaum war selbst schockiert, wie leicht sich die Menschen täuschen liessen. Manche Probanden waren kaum davon zu überzeugen, dass sie gerade nicht mit einem echten Menschen sprachen.

Heute, 60 Jahre später, führen wir mit ChatGPT und anderen LLMs hochkomplexe Dialoge, doch das Grundprinzip der Täuschung bleibt. Wir unterliegen oft der Illusion, ein Gegenüber mit echtem Verständnis zu haben, obwohl es – genau wie damals bei ELIZA – am Ende nur statistische Muster und geschickte Sprachverarbeitung sind

Eine Hommage an die Grade Dame der KI resp. der LLMs

2026: Im Auge des KI-Sturms

Gehen wir zurück ins Jahr 1950. Computer sind zimmergross, laut und können kaum mehr als eine Rechenmaschine. Inmitten dieser klobigen Hardware stellt ein Mann namens Alan Turing eine fast ketzerische Frage: „Können Maschinen denken?“. Er ahnte wohl nicht, dass er damit den ersten Dominostein einer Lawine anstiess, die heute, über 70 Jahre später, unseren Alltag komplett umkrempelt. Die KI. Sie ist viel älter, als die meisten glauben und hat ziemlich breite Wurzeln.

Die Geburtsstunde einer Vision

Die Geschichte der KI zeigt ein paar helle Köpfe zwischen Genies und Grössenwahn. 1956 versammelten sich «rauchende Köpfe» auf der Dartmouth-Konferenz. Ihr Ziel? Nichts Geringeres, als Maschinen das Sprechen, Abstrahieren und Lösen menschlicher Probleme beizubringen. Es herrschte Goldgräberstimmung. 1958 bastelte der Psychologe Frank Rosenblatt am Perzeptron – einem künstlichen Neuron, das tatsächlich lernen konnte. Die Welt glaubte: Die digitale Intelligenz sei nur noch einen Katzensprung entfernt.

Von der Eiszeit zum Deep Blue-Schock

Doch der Hochmut kam vor dem Fall. In den 60ern und 70ern folgte die Ernüchterung: Die Rechner waren zu schwach, die Versprechen zu gross. Es wurde still. Finanzen wurden gestrichen – der erste „KI-Winter“ legte sich über das Feld.

Es brauchte Momente puren Nervenkitzels, um die Welt wieder wachzurütteln. Wer erinnert sich noch an den 11. Mai 1997? Als der IBM-Computer Deep Blue den amtierenden Schachweltmeister Garry Kasparov in die Knie zwang? Es war der Beweis: Maschinen können uns in unseren eigenen Disziplinen schlagen.

Der „KI-Frühling“: Wenn die Technik uns überholt

Springen wir ins Heute. Seit 2012 brennen alle Sicherungen durch. Dank Deep Learning und einer Flut von Daten aus dem World Wide Web lernen Maschinen heute nicht mehr nur nach starren Regeln, sondern entwickeln eine Art „Intuition“. 2016 schlug AlphaGo den Go-Weltmeister Lee Sedol – ein Spiel, das so komplex ist, dass man es eigentlich nur mit menschlichem Fingerspitzengefühl gewinnen kann.

Und plötzlich war er da: der KI-Frühling der 2020er. Mit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 wurde das Unmögliche massentauglich. Innerhalb von nur fünf Tagen nutzten eine Million Menschen ein System, das Gedichte schreibt, Codes generiert und scheinbar wie ein Mensch antwortet.

Wo stehen wir jetzt?

Heute leben wir in einer Welt zwischen Faszination und leichter Panik. Wir generieren fotorealistische Bilder auf Knopfdruck und müssen gleichzeitig lernen, dass wir einem Video oder Bild nicht mehr blind vertrauen können – Stichwort Deepfakes.

Die KI ist die „neue Elektrizität“. Sie ist gekommen, um zu bleiben, auch wenn wir gerade erst anfangen zu verstehen, wie wir sie bändigen können. Eines ist sicher: Die Reise, die in einem kleinen Büro im Jahr 1950 begann, ist gerade erst richtig spannend geworden.
Auch in der Entwicklung von Individualsoftware.

Quelle: https://mebis.bycs.de/beitrag/ki-geschichte-der-ki